Sonntag, 7. November 2010

Der Tecsun PL-310 DSP in der Empfangspraxis

Kurzwelle...
Der Tecsun PL-310 DSP verspricht viel und kann dies durchaus auch in der Empfangspraxis einlösen. Allerdings habe ich schnell bemerkt, dass man einige Sachen wissen muss um all seine Stärken ausnutzen zu können, anderst gesagt einfach nur auspacken und den Empfänger einschalten ist nicht zu empfehlen.
Lobenswert...
Was absolut super ist am Tecsun PL-310 DSP und nach berücksichtigung des unten beschriebenen voll augekostet weden kann ist die DSP Technik, die Digitalesignalverarbeitung welche zu einem sehr ruhigem Empfang führt und die Möglichkeit gibt Filter einzusetzen um Störungen durch Nachbarstationen oder sonstigem sehr gut aus dem Weg zu gehen. Und diese Filter sind vom feinsten: Man hat die Wahl zwischen 6,4,3,2 und 1 khz und sogar beim Einsatz des 1khz Filters ist die Wiedergabe noch sehr gut und verständlich, dies hat man sonst nur bei Empfängern der Preisklasse jenseits von Gut und Böse, wenn überhaupt.
Kritik...
Vorweg dass was mir am meisten am Tecsun PL-310 DSP fehlt: Die Modulationsarten LSB bzw USB, echt schade, dafür hätte ich auch gerne einen etwas höheren Preis bezahlt.
Am meisten stört mich der eingebaute und nicht regelbare Squelch, welcher eindeutig zu hoch eingestellt ist- sprich Stationen sind eigentlich noch mit ordentlichem Signal zu hören, werden aber vom Squelch schon als zu schwach eingestuft und in diesem Fall regelt der Tecsun die Lautstärke automatisch runter.
Man kann in diesem Fall natürlich die Lautstärke am Gerät selber erhöhen, das bringt aber nur wenig, da der Empfänger das Eingangssignal eben automatisch leise stellt, sobald ein Signal die Squelch-Grenze unterschreitet.
Damit wäre ich beim nächsten Kritikpunkt: Bekanntlich unterliegen die Signale auf der Kurzwelle zum Teil sehr starken Empfangsbeeinträchtigungen wie dem Fading oder Schwund, so kann es dann vorkommen dass innerhalb kurzer Zeit eine Station mal die Squelch-Grenze unter bzw überschreitet.
Wie man sich denken kann ist dies kein so feines Hörerlebnis und der Tecsun schaltet da sozusagen jeweils von 0 auf 100 bzw umgekehrt, er hat da keine abstufungen dazwischen.
Will man nun den Squelch umgehen, kann man natürlich einfach die Empfangsleistung der originalen Teleskopantenne erhöhen... wie auch immer ( da hat man seine "künstlerische" Freiheit...zb Langdraht dran und und ), leider kommt man damit postwendend an den nächsten Kritikpunkt:
Der gute Tecsun übersteuert, und dies nicht nur auf den dafür berüchtigten tiefen Kurzwellenfrequenzen sondern auch auf den höheren. Und er übersteuert bzw liefert Geisterstationen auch nur mit der relativ kleinen Teleskopantenne.
Besonders stark wirkt sich dies aus, wenn der Empfänger in einem Raum mit leitendem Material ist, sprich weitere Empfänger oder Antennen usw.
Geht man mit dem Empfänger in einen Raum wo fast nichts dergleichen ist hat man bereits viel bessere Karten, wie natürlich auch wenn man ganz ins freie an die frische Luft geht.
Nun, ist alles schön und gut. Aber ich will ja nicht ständig hin und her und will eigentlich an meinem Dx-Arbeitsplatz den Tecsun einsetzen können.
Ein sehr gutes und einfaches Mittel gegen das übersteuern ist der Einsatz von sogenannten Mantelwellensperren. Das klingt vielleicht kompliziert- ist es aber nicht und kostet so gut wie nichts, alles was man braucht ist ein Koaxkabel, möglichst eines vom Typ RG-58 das man aderstweitig nicht mehr einsetzen möchte, dies trifft natürlich auf alle Empänger zu nicht nur für den Tecsun.
Der Trick ist, dass man dieses Kabel so nahe wie möglich am Antenneneingang des Empfängers mit mindestens 10 Windungen um zb eine Klopapierrolle oder ähnliches (nicht leitendes Material) versieht.
Bezogen auf den Tecsun bedeutet dies natürlich den Gebrauch des vorhandenen externen Antenneneinganges.
In meinem Fall habe ich eine ca 1m lange Teleskopantenne an den passiven Antennentuner bzw Preselector MFJ-1046 angeschlossen, daran ein RG-58 Kabel welches an einem Ende dann die oben genannte Windungen hat und dann mittels einem 3,5mm Stecker an den Tecsun angeschlossen wird.
Dazu hier noch die Bilder meiner Mantelwellensperre, und eines vom Tecsun PL-310 DSP:





Langwelle...
Kurz und schmerzlos kann ich hier sagen, hätte man beim Tecsun PL-310 DSP weglassen können, denn die Empfangsleistung der eingebauten Ferittantenne ist sehr schwach.

Mittelwelle...
Da läuft der Tecsun schon einiges besser und kann sich bereits mit der eingebauten Ferittantenne mit Empfängern wie dem ATS-909 messen, zusammen zb mit der Tecsun AN-200 Loopantenne die induktiv an die Ferittantenne gekoppelt werden kann kommen bereits Dx-Empfänge zustande und natürlich mit allen Vorteilen der Filtereinstellungen wie auch auf der Kurzwelle.

UKW...
Hoppla, da geht ja was ab. Ganz klar zeigt der Tecsun PL-310 DSP auf UKW eine sehr gute Empfangsleistung, mit sehr gutem Filter und er hört echt gut...
In meinem Fall testete ich den UKW Bereich mit dem Versuch, Radio Dreyeckland aus Freiburg im Breisgau auf 102,3 Mhz hier bei mir in Eimeldingen zu empfangen. Es sei gesagt, dass diese Station mit zb dem ATS-909 nur mit Mühe zu hören ist, geschweige denn mit einem "Küchenradio" oder Autoradio, und zusätzlich sendet auf 102,10 eine Station aus dem nahen Elsass mit einer Leistung die nicht überhört werden kann und auf gleicher Frequenz 102,3 auch noch eine Station aus der nahen Schweiz die auch nicht eben schwach ist.
Soweit so gut: Der Empfang gelingt auf anhieb, die Teleskopantenne leicht in die Richtung von Freiburg ausgerichtet und Radio Dreyeckland kommt mit O=3-4 aus dem Lautsprecher, und dies bei einer sehr kleinen Sendeleistung und einer Entfernung von gut 50 km.
Auch ein zweiter Versuch gelingt sofort mit vollem Erfolg: Radio Kanal Ratte auf 104,5 Mhz aus Schopfheim bzw über den Sender Hohe Möhr, kommt mit dem Tecsun mit O=4-5 hier in Eimeldingen an.... und beide Empfangsversuche waren Indoor!

1 Kommentar:

Dieter Rommerskirchen hat gesagt…

Hallo,

sehr interessanter Bericht über den Tecsun PL-310. Diesen habe ich zwar nicht, aber dafür den PL-380, den PL-606, den PL-390 und den PL-660. Alle diese Empfänger haben mich absolut überzeugt von der Qualität und vom Empfang her. Waren China-Produkte in der Vergangenheit meistens von unterirdischer Qualität, so trifft das heute scheinbar nicht mehr zu, jedenfalls nicht bei den Radios der Marke Tecsun. Den Tip mit der Mantelwellensperre fand ich auch sehr hilfreich, denn ich bin auch immer auf der Suche nach Möglichkeiten den Empfang zu verbessern.

Also vielen Dank und beste Grüße aus Bayern.

Dieter R.